Leuchtturm - Flaschenpost

für schwere Zeiten und Trauerstürme

Trauer ist wie das Meer, kommt und geht wie Ebbe und Flut. Manchmal wild aufbrausend, wie ein Tsunami und manchmal beruhigt und seicht… in heftigen Trauerstürmen braucht es Anker .
In unserer Leuchtturm-Flaschenpost haben wir welche für Dich zusammengestellt. Du musst sie nur entdecken.
Eine Falschenpost finden ist wie ein kostbarer geheimnisvoller Schatz, mit dem Inhalt muss der Finder kreativ umgehen, die Botschaft nutzen oder auch aus der Botschaft etwas für sich passendes weiter entwicklen.

In unserer Flaschenpost findest du Ideen, in schweren Zeiten dich selbst zu stärken, deine eigene Copingmechanismen zu stützen. Du findest hier einfache Übungen, Texte, Top Ten der Trostlieder und kreative Ideen. Einige Jugendliche, unser Peers und Fachberater stellen Dir ihre erprobten Rituale und Ideen für Trauerstürme zu Verfügung, die du gerne in schweren Zeiten nutzen kannst. Wir hoffen, du findest das Richtige für dich.

Geh ganz kreativ damit um, verwandle die Impulse, so dass sie für dich stimmig und passend sind. Finde deine eigene Top Ten Liedliste. Schau rein und mach was Gutes für dich daraus. Du weißt am besten was Dir gerade gut tut.

Kleine Übungen für den Tageseinstieg und die Nacht

Ein guter Einstieg in den Tag mit dem chinesischen Morgengruß

Sich erden, sich aufrichten, selber spüren eine wichtige Disziplin in allen Kampfsportarten und beim Stärken des Selbstvertrauens. Der chinesische Morgengruß hat lange Tradition und hilft dabei, dich auf dich selbst und deine eigene Kraft zu zentrieren und gleichzeitig das Eingebundensein in die nährenden Elemente Feuer, Wasser, Luft, Erde und das Lebendige des Kosmos zu spüren. Dies sind die 5 Prinzipien des Taoistischen Modells Der chinesische Morgengruß ist eine Erfrischungsübung. Die Textverse verbinden sich mit einer Körpergeste. Probiers mal:

Der chinesische Morgengruß

Die Sonne geht auf.
(Arme nach oben öffnen)
Ich öffne mein Fenster
(Arme seitlich öffnen)
trete hinaus auf meinen Berg, über mir der Himmel unter mir die Erde
(Hände nach oben und nach unten führen )
und dazwischen ich
(Hände vor der Brust kreuzen und auf die Brust legen) 
Feuer, Wasser, Luft, Erde
(Hände zeichnen in der Luft das Tanzen des Feuers,  die Wellen, das Zirkulieren der Luft und zeigen auf die tragenden Erde)
es ist genug von allem da.
(Ein Arm formt einen Korb vor der Bauch)  
Ich nehme mir was ich zum Leben brauche
(ausholende schöpfende Bewegung mit dem freien Armen vorm Körper, die Hand schöpft und füllt den Korb symbolisch)
Und werfe weg,
 (beide Hände werfen symbolisch das Überflüssige in die Luft. )
was ich nicht brauchen kann  und einen kleinen Rest für die Vögel
(mit den Fingerspitzen symbolisch Krumen verstreuen)
Der Lotus blüht
(beide Arme wie ein Kelch nach oben führen und zum Himmel öffnen)
Ich umarme den Tiger in mir
(große umarmende Bewegung mit einem kraftvolles Geräusch)  
Und trete zurück in mein Haus. 
(in entspannter Haltung stehen - Knie leicht gebeugt - Arme hängen seitlich am Körper)

Entwickle dein eigenes gute Träume-Einschlaf-Ritual:

Wenn der Tag zur Ruhe kommt, die Ablenkung vom Tage fehlt, stellt die Seele in der Trauer oft auf Sturm: das Vermissen, der Schmerz und all die Fragen kreisen im Kopf und die Bilder aus den letzten Begegnungen steigen hoch.
Viele junge Menschen kennen das nicht zur Ruhe kommen und Einschlafprobleme in der Trauer. Und manchmal fühlt es sich egal zu welcher Jahreszeit innerlich und äußerlich kalt an.
Kleine Rituale helfen, zur Ruhe zu kommen, sich selbst zu wärmen, wenn der andere fehlt. Regelmäßige gleiche Abläufe - jeden Abend „Zeit für mich“ und ein Verwöhnen der eigenen Seele tut gut: 

* erinnere dich daran, wie du dich getröstet hast, als du ein Kind warst. Was hat dir damals gut getan? Wie hast du Dich selbst getröstet, wenn du allein warst?
Gibt es noch dein Kuscheltier, was mit dir deinen Herzschmerz geteilt hat, wenn die ganze Welt gegen dich zu sein schien? Wenn ja, was für ein Glück: dann gibt ihm einen guten Platz an oder in deinem Bett oder Schlafraum. Wenn nicht, dann besorg dir eines, ein Krafttier, was dich beschützen kann, weil du es dir gefällt, du seine Fähigkeiten bewunderst …..und lass es zu deinem Nachtwächter werden gegen die Einsamkeit und Hüter der Träume.

* koch dir etwas Wärmendes: deinen Lieblingstee, heiße Milch mit Honig oder heiße Schokolade mit Sahne …

* wärm dich mit einer flauschigen Decke, deinen Lieblings-Socken an den Füßen oder dem Lieblings-T-Shirt auf der Haut, vielleicht auch gerade das Kleidungsstück, was der Mensch, den du gerade so sehr vermisst, immer getragen hat. Ob Lieblingspulli, T-Shirt, Socken….Kleidungsstücke können wie Beschützer und Kraftspender sein, beruhigen und auch stärken, Geborgenheit schenken für die Nacht.

* Augen zu Musik an: gönn dir eine Gute-Nacht-Geschichte per audio, eine gute Musik auf die Ohren von deinem Lieblingsinterpreten, der dir Mut macht und dich entspannen lässt.

*lies ein gutes Buch von deinem Lieblingsautor, so lange bis dir das Buch vor Müdigkeit auf die Nasenspitze fällt; manchmal fällt die Konzentration so schwer, dass das Hörbuch die bessere Alternative ist oder Du lieber Trauerliteratur liest, die dir helfen, dich selber besser zu verstehen (einige Buchtipps findest du in unserer Bücherkramkiste)

*manchmal hilft auch eine Entspannungsreise, davon findest du viele Apps wie z.B. Einschlafmeditation 2.0 von Claudia Engel

* Trauer verschreiben: Schreib dich frei, alle Gedanken aus dem Kopf in ein besonderes Tagebuch, ein Sorgentagebuch, ein Erinnerungstagebuch, ein Traumtagebuch…. Schreibs auf – schreibs raus – schreiben macht frei…

Durchatmen in der Natur

Draußen in der Natur können wir anders Atmen – Durchatmen. Viele Trauernde zieht es ans Meer. Die Weite und der Horizont gibt vielen Trost. Auch in der Stadt gibt es Plätze in der Natur zum Durchatmen. Egal wie du lebst, es gibt immer in deiner Nähe ein Fleckchen Natur zum Durchatmen, das kann ein Baum sein, eine Bank im Park oder ein kleiner See, ein Platz am Fluss oder auch im Wald, vielleicht hast du sogar einen eigenen Garten zur Verfügung. Such dir einen Platz in der Natur, der gut erreichbar für dich ist und gönn dir eine Durch-Atem Pause in der Natur.
Öffne deine Sinne und spür, geh auf Entdeckungsreise was du entdecken, sehen, riechen kannst. In jeder Jahreszeit können wir den Kreislauf der Natur entdecken und Verwandlung spüren. Nichts bleibt ewig. Wir sind eingebunden in diesem natürlichen Kreislauf von Werden, Wachsen, Vergehen und Neuwerden. Das kann sich tröstend und beruhigend anfühlen. 

Helfende Helfer und Lotsen im Trauermeer

Zuhause sitzen und warten, dass da irgendjemand kommt und dir hilft, ist schwer. Nutze Telefonjoker! Jemanden, den du erreichen kannst, wenn dir die Decke auf den Kopf fällt. Am besten du machst dir eine Erinnerungsliste – für Tage, wenn du dich in deinem Schneckenhaus so sehr zurückziehst, dass es zu dunkel wird.
Die besten Zuhörer sind Tiere. Sie hören zu, widersprechen nicht und sind treue Begleiter. Wenn du kein eigenes hast? Vielleicht gibt es einen Hund in deiner Nähe, mit dem du Spazieren gehen kannst oder eine Katze, die regelmäßig im Garten vor der Terrassentür sitzt. Ihre Gesellschaft kann sehr heilsam sein. 

Trauer Gestalt, Farbe und Form geben

Finde deine eigene TrauART - Sei kreativ, gib deiner Seele Klang, so wie es dir entspricht.
Magst du Musik? Vielleicht spielst du ein Instrument? Oder du singst gern?
Magst du Farben? Egal ob Bleistift, Buntstift, mit Acryl oder Wachsmalstifte - Zeichne los! 
Wie ist es mit Basteln oder Handwerkeln? Ob Töpfern, Nähen, mit Holz oder Ton mit Stoff oder mit Farben.
Magst du dichten und schreiben? Mach deinen eigenen Poetryslam!
Sei kreativ, entdecke dich neu in deiner Art und gib deiner Trauer Gestalt in Wort, Klang, Form und Farbe. All das verwandelt die Trauer und hilft, zu entlasten. Sich auszudrücken – seine eigene Art zu finden – ist ein echter Segen - wie auch immer deine Form ist. Und ganz ohne Leistungsdruck. Es kommt nicht auf das Ergebnis an, sondern darauf, einfach das loszuwerden und auszudrücken, was auf der Seele brennt.

In Bewegung kommen
#tanzdichfrei #bewegdichfrei

Alles Leben ist Bewegung. Und wenn der Tod ins Leben bricht, erstarrt die Welt. Trauer sitzt überall im Körper. Und manchmal sind Gefühle so überstark, dass sie einen echten Energiestau im Körper bewirken und lähmen. Komm raus aus deiner Lähmung. Unterbrich deinen Gefühlsstau mit Bewegung: mach Musik an – gerne ganz laut und beweg dich dazu. Tanz dich frei. Das geht in deinem Zimmer, in der Wohnung. Oder du powerst dich aus mit Bewegung – gerne draußen, Radfahren, Joggen oder auch beim Spazierengehen. Auch im Fitnessstudio kannst du dich ausagieren. Bewegung macht den Kopf frei und das Herz. Egal wie, alles ist besser als zu erstarren.
Draußen an der frischen Luft aktiv zu sein, stärkt gleichzeitig noch deine Sinne und hilft dir, gut durchzuatmen.
Es lohnt sich, auch wenn du dich schlapp und müde fühlst! Überwinde deinen „inneren Schweinehund“ und die Trägheit auch, wenn es schwer fällt, nachher fühlst du dich meistens besser! 

Sei dein eigener Coach und verwöhne dich! 

Sich selbst verwöhnen! Eine wichtige Überlebensstrategie vor allem in schweren Zeiten.
Die Seele steht dann unter großer Spannung. Entspannen hilft, die Alltagsaufgaben meistern zu können. Gönne dir also unbedingt Streicheleinheiten für Körper, Geist und Seele:
* ein Spaziergang, eine Pause an deinem Lieblingsort,
* ein Telefonat mit Freunden , einen Besuch bei Menschen, die dir gut tun,
* ein Bad, eine besondere Körperpflege mit einem guter Duft der dir gut tut, ein gutes Buch, ein schöner Film, ein paar Minuten träumen.

Koch dir etwas Leckeres, denn auch gesunde und gute Nahrung gehören unbedingt zur Selbstheilung dazu.
Dein Körper, deine Seele und dein Verstand benötigen in Krisenzeiten extra Streicheleinheiten, um die schweren Zeiten durchzustehen und alle anstehenden Aufgaben bewältigen zu können.
Wenn dir die Decke auf den Kopf fällt – Schreib´s raus!
Ob als Tagebuch oder einmal, um die Seele zu befreien. Trauer verschreiben – hilft unbedingt!
Schreiben baut Brücken ins Leben!
Schreiben tut gut! Deshalb schreib´s raus – egal mit welchen und wieviel Worten – wir sind da.
Log dich ein und schreib es einfach von der Seele!  

TRAUERKOMPASS -
Deine Trauer ist einzigartig
(von Ayse Bosse)

Ein wichtiger Mensch ist gestorben. Dann braucht es Zeit sich erinnern zu können an all das was schön war und auch daran, was nicht geglückt ist. 

Alle Gefühle dürfen sein und brauchen Platz und müssen ausgedrückt werden.

• Ich darf für immer vermissen
• Ich darf Angst haben
• Ich darf weinen, wann ICH möchte
• Ich darf dramatisch sein
• Ich darf wütend sein
• Ich darf meine Ruhe haben
• Ich darf trotzdem lachen
• Ich darf genervt sein
• Ich darf darüber reden, mit wem ICH will und wann ICH will
• Ich darf so tun, als ob alles gut ist
• Ich darf Schuldgefühle haben, auch wenn mich keine Schuld trifft
• Ich muss nicht immer dann trauern, wann andere das wollen
• Ich darf mir MEINE Zeit dafür nehmen
• Ich darf auch mal eine Weile verdrängen
• Ich darf sogar vergessen
• Ich werde versuchen, den anderen zu verzeihen
• Ich werde versuchen, mir selbst zu verzeihen
• Ich werde auf mich aufpassen
• Ich werde nicht verbittern
• Ich darf mir Unterstützung außerhalb meiner Familie holen
• Ich werde für mich sorgen und ich werde das schaffen!


TRAUER IST KEINE RANKHEIT
ICH BIN NICHT ALLEIN
MEIME TRAUER IST EINZIGARTIG & BESONDERS
      (aus: Einfach so weg, Ayse Bosse )

Wenn Du in Not bist oder
sofort jemanden anrufen möchtest


Kinder- und Jugendtelefon: 0800-111 0 333 (mo-sa, 14:00 - 20:00 Uhr)

Telefonseelsorge: 0800-111 0 111 (rund um die Uhr)
www.telefonseelsorge.de (Telefon-, Chat-, mailberatung)

Nummer gegen Kummer: 11 6 111 (mo-sa, 14:00 - 20:00 Uhr)

Klartext-Telefon: 0800 - 589 21 25 (mo, mi, do von 17:00 - 20:00 Uhr)
für junge Menschen, die sich mit Krankheit, Sterben und Tod auseinandersetzen

www.u25-deutschland.de | Hilfe bei Suizidgedanken (peer-to-peer-Beratung) Neuanmeldungen z. Zt. nicht möglich

www.youth-life-line.de | Hilfe bei Suizidgedanken (peer-to-peer-Beratung)